PUBLICUS • BOORBERG-BAROMETER • 2011.10

Drei große K oder: Der Schatz im Silbersee

Schlaglichter aus dem Lektorat Öffentliches Recht

Schlaglichter aus dem Lektorat Öffentliches Recht

In dieser Jubiläums-Ausgabe des PUBLICUS beginnen wir, die Fachlektorate des Richard Boorberg Verlags in loser Folge vorzustellen. Wir möchten damit Autoren und Lesern einen Einblick in die Arbeitsweise und Produktentwicklung unseres Verlages geben. Christine Class eröffnet die Reihe und gibt zunächst einen Überblick über die Vielschichtigkeit der Lektoratstätigkeit. In einer weiteren Ausgabe des PUBLICUS wird sie die Umsetzung am Beispiel eines konkreten Projekts schildern.

Kürzlich unterhielt ich mich am Rande eines Europäischen Verwaltungskongresses mit einem Referenten über ein Pilotprojekt zum Einsatz des Cloud Computing für die öffentliche Verwaltung. Im Laufe des Gesprächs stellte sich heraus, dass mein Gesprächspartner – ein ausgewiesener Experte im IT-Bereich – Interesse an einer Fachpublikation hatte. Mein Angebot, gemeinsam eine Konzeption für eine entsprechende Veröffentlichung zu entwickeln, veranlasste den Autor in spe zu der Frage, ob der Richard Boorberg Verlag über ein juristisches Fachlektorat verfügt. An der Stelle wurde mir bewusst, dass der mit einem Fachlektorat verbundene Qualitätsanspruch eines Verlagshauses und das daraus resultierende Selbstverständnis keinesfalls selbstverständlich sind.

Ohne die entsprechende Fachkompetenz ist die erfolgreiche Entwicklung eines Produktes nicht zu bewerkstelligen. Der Lektor muss die drei großen K in sich vereinen: Kompetenz, Kreativität und Konzeptstärke. Er ist der Trend-Scout, muss den "richtigen Riecher" haben und sich mit der Schatzkarte – in Form eines konkreten Konzeptes oder eines Manuskriptes – auf die Suche nach dem Produkt-Juwel begeben. Das richtige Konzept ist das Fundament, das sorgfältig gesetzt werden muss und auf dem alles Weitere aufbaut. Zum erfolgreichen Bauplan gehören daneben die detaillierte Markt- und Konkurrenzanalyse und die genaue Kenntnis der Zielgruppe. Die Festlegung der Produktform ist ein wichtiger Baustein, den der Lektor von Beginn an im Auge haben muss.

Die medialen Herausforderungen sind vielfältig und die Branche in ständigem Wandel begriffen. So ist der Lektor auch als zentraler Gestalter und Manager von plattformübergreifenden Inhalten gefordert. Medienneutrale Datenhaltung und Mehrfachverwertung von Verlagsinhalten, Crossmediales Publizieren sowie die Entwicklung von E-Book-Angeboten sind nur einige Zauberworte, die in diesem Zusammenhang von Bedeutung sind. Der kreative Aspekt tritt dabei nicht in den Hintergrund – im Gegenteil: Je nach Zielgruppe und Marktsegment sind die unterschiedlichsten Modelle und Inhalte denkbar und notwendig. Entscheidend ist, dass der Lektor den Markt, dessen Bedürfnisse und Ansprüche kennt.

Vor allem aber ist er auch Partner des Autors in allen anstehenden Fragen. Die Autoren sind die Juwelen in der Schatzkiste und von unschätzbarem Wert für das Verlagshaus. Ohne ihr Engagement, ihre Fachkenntnisse und ihren Esprit ist selbst das ausgeklügeltste Produkt nichts wert.

Gerade im Öffentlichen Recht und insbesondere in der Verwaltung haben sich in den vergangenen Jahren Veränderungen und Verschiebungen geradezu revolutionären Ausmaßes ergeben. Der Perspektivenwechsel hin zum Dienstleistungssektor durchzieht die gesamte Verwaltung. Die thematische Bandbreite reicht von Fallstudien zum Public Management über das Kommunale Wirtschaftsrecht zum Kompendium der Professionellen Personalauswahl in der öffentlichen Verwaltung bis hin zum maßgeschneiderten Leitfaden für die erfolgreiche Bürgermeisterkandidatur.

Das kommunale Finanzmanagement und nachhaltiges Wirtschaften, die Doppik, Fragen der Rekommunalisierung, E-Government, die Bedeutung des Web 2.0 und der sogenannten Social Media, das Konzept der Smart Cities vor dem Hintergrund der Urbanisierung zeigen die Vielschichtigkeit der Handlungsfelder und Ansätze.

Welche Erwartungshaltung hat die Zielgruppe, welchen Anforderungen müssen die Fachmedien genügen? Es gilt, neue Modelle zu entwickeln oder Arbeitshilfen durch (elektronische) Zusatzangebote attraktiver zu gestalten und anzureichern.

Was steckt hinter D 115, welche Konsequenzen hat die Energiewende für die Kommunen, warum ist das NABEG so umstritten (Lesen Sie dazu den Beitrag von Herrn Dr. Schönenbroicher in dieser Ausgabe auf Seite 7)? Diese und viele andere Zukunftsthemen sowie aktuelle Gesetzgebungsverfahren, wie der Entwurf eines Gesetzes zur Neuordnung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallrechts (KrWG-E), gilt es laufend aufmerksam zu verfolgen, wenn möglich aufzugreifen und zeitnah umzusetzen.

Es bleibt spannend!


Ass. iur. Christine Class