Best Practise • Energiespar-Contracting • 2014.2

Energiespar-Contracting in Bayerng

Pinakothek der Moderne: Auszeichnung der dena für Energieeffizienz

Die Tür zur Energiewende aufgestoßen: Pinakothek der Moderne in München macht ihrem Namen alle Ehre.
Die Tür zur Energiewende aufgestoßen: Pinakothek der Moderne in München macht ihrem Namen alle Ehre.

Infolge des hohen Energiepreisniveaus werden bei öffentlichen Haushalten die Instandhaltungs-, Betriebs- und Verbrauchskosten von Gebäuden zu einem immer bedeutsameren Ausgabeposten. Darüber hinaus hat die Bayerische Staatsregierung ambitionierte Energiesparziele im Hinblick auf Energiewende und Klimawandel. Dies erfordert von Seiten der staatlichen Bauverwaltung große Anstrengungen, insbesondere bei der energetischen Sanierung von Bestandsgebäuden. Angesichts knapper Haushaltsmittel stellen Contracting-Modelle eine interessante Methode dar, um Gebäudetechnik weitgehend ohne staatliche Investitionsmittel auf einen modernen Stand zu bringen und Kosten bei der Energieversorgung einzusparen.

Contracting-Initiative Bayern (CIB)

Deshalb habe ich Anfang 2011 mit der Contracting-Initiative Bayern die Basis für staatliche Gebäude geschaffen, Energieeinsparungen und -lieferungen durch Contracting einem systematischen Verfahren zuzuführen. Die im Vorfeld bereits verwirklichten Contracting-Maßnahmen haben alle sehr gute Ergebnisse erzielt, so dass eine deutliche Ausweitung des Contractings – weg von der Pilotphase hin zu einem Standardverfahren – angezeigt war.

Contracting als eine Form öffentlich-privater Partnerschaft (PPP) beruht auf einem Kooperationsmodell des Staates mit spezialisierten Unternehmen. Dabei entsteht eine klassische Win-win-Situation. In einem Wettbewerbsverfahren offerieren spezialisierte Unternehmen auf Basis eigener Ideen die Modernisierung betriebstechnischer Anlagen bei gleichzeitiger Betriebsoptimierung und garantieren einen bestimmten Einsparerfolg über eine festgelegte Laufzeit. Hierzu wird zwischen dem Freistaat Bayern und dem Unternehmen ein Einspargarantievertrag über längstens zwölf Jahre abgeschlossen, wobei der Auftragnehmer selbst die Verantwortung für die Finanzierung, Umsetzung und den Erfolg der technischen Maßnahmen trägt. Die Vergütung und die Refinanzierung seiner Investitionen erfolgen aus den generierten Energiekosteneinsparungen. Der Freistaat partizipiert in der Regel bereits zu Beginn der Vertragslaufzeit an diesen Kostenreduzierungen, während nach Vertragsende die vollen Einsparungen dem Staatshaushalt zugutekommen. Das Eigentum an neu eingebrachten technischen Anlagen und deren Betrieb verbleiben dabei in öffentlicher Hand.

Ergebnisse des Contractings

Nach einigen gelungenen Pilotprojekten wurde von der Staatsbauverwaltung bereits im Jahr 2005 die erste größere Tranche für Energiespar-Contracting auf den Weg gebracht. Weitere Projekte folgten kontinuierlich. Ausschreibungsobjekte waren Verwaltungsgebäude, Klinika, Institutsbauten, Bibliotheken, Museen, Justizgebäude und Justizvollzugsanstalten, welche in enger Kooperation mit den zuständigen Ressorts und den Dienststellen vor Ort zu einem erfolgreichen Ergebnis gebracht werden konnten. Hierbei wurden von den Contractoren bisher rund 15 Mio. € in energiesparende Anlagentechnik investiert und jährliche Energiekosteneinsparungen bei Wärme, Kälte, Strom und Wasser von 2,7 Mio. € erzielt. Dies entspricht einer durchschnittlichen Kostenreduzierung um 34 %. Außerdem fallen pro Jahr über 5.200 t CO2 – Emissionen weniger an – die Menge an CO2, die jährlich von ca. 3.000 Mittelklasse-PKW ausgestoßen wird. Bei weiteren acht Liegenschaften mit einem jährlichen Energieeinsparpotential von geschätzten 2 Mio. € werden derzeit Contracting-Verfahren vorbereitet.

Auszeichnung für Contracting bei der Pinakothek der Moderne

Eine besondere Auszeichnung und damit eine Bestätigung der bisher geleisteten Arbeit wurde dem Freistaat erst kürzlich zuteil. Beim bundesweiten Wettbewerb "Energieeffizienz in öffentlichen Einrichtungen – Gute Beispiele 2013" wurde die Bayerische Staatsbauverwaltung am 26. November 2013 in Berlin mit dem Projekt "Energiespar-Contracting bei der Pinakothek der Moderne" als einer von vier Preisträgern ausgezeichnet. Der von der Deutschen Energie-Agentur (dena) regelmäßig ausgerichtete Wettbewerb (siehe hierzu auch die Beiträge in PUBLICUS 2014.1, S. 4 und 7) wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie gefördert und ist mit insgesamt 25.000 € dotiert. Die Auswahlkriterien zielen auf innovative und vorbildliche Projekte mit möglichst großer Energieeinsparung. Mögliche Teilnehmer sind Gemeinden, Städte, Landkreise, Landes- und Bundesbehörden, aber auch kommunale, landes- und bundeseigene Unternehmen.

Bei der Pinakothek der Moderne in München handelt es sich um ein vielbesuchtes Museum mit hohen klimatischen Anforderungen. Daher mussten alle technischen Maßnahmen im Vorfeld detailliert mit dem Nutzer abgesprochen werden, um deren Umsetzung ohne Störungen im laufenden Betrieb zu gewährleisten. Der Contractor erzielt durch seine Investitionen eine Senkung der jährlichen Energiekosten des Museums um jährlich 460.000 €, das sind 39 % Einsparung. Von den eingesparten Energiekosten erhält die Pinakothek, ohne eigene Investitionen getätigt zu haben und ohne etwaige Nachteile im täglichen Betrieb, bereits jetzt einen Anteil in Höhe von 63.000 € pro Jahr. Über die ausgeschriebene Vertragslaufzeit von sieben Jahren spart die Pinakothek in Summe 441.000 €, wobei steigende Energiepreise die finanziellen Vorteile noch vergrößern. Nach Ablauf des Vertrages fließen die jährlichen Gesamteinsparungen in Höhe von 460.000 € vollumfänglich dem Staatshaushalt zu.

Das Energiespar-Contracting bei der Pinakothek der Moderne hat sicher Vorbildcharakter und lässt hoffen, dass noch viele ähnliche Projekte folgen werden. Dazu haben sich in Bayern alle Ressorts per Ministerratsbeschluss vom Sommer 2013 verpflichtet, weitere geeignete Gebäude oder Liegenschaften für ein Contracting-Projekt zu benennen. Der Erfolg in diesem Wettbewerb bestätigt, dass die Staatsbauverwaltung mit ihrer Contracting-Initiative Bayern einen richtigen und wirtschaftlich sinnvollen Weg beschreitet.

Zentralstelle Contracting

Zur Umsetzung der Initiative – das haben die in der Bauverwaltung gesammelten Erfahrungen gezeigt – war es notwendig, eine kompetente, schlagkräftige und zentral angesiedelte Organisationseinheit für dieses Themenfeld zu etablieren. Die Komplexität des Verfahrens verlangt hohen Sachverstand und idealerweise die Bündelung an einer Stelle. Als Dienstleister für alle bayerischen staatlichen Gebäudenutzer wurde deshalb die Zentralstelle Contracting an der Regierung von Mittelfranken eingerichtet.

Durch die Zentralstelle werden geeignete Liegenschaften ausgewählt, Informationsveranstaltungen zur Vorstellung des Verfahrens für die Liegenschaften durchgeführt, neue Projekte angeregt und entsprechende Ausschreibungen realisiert.

Mit diesem Engagement trägt die Bayerische Staatsbauverwaltung auch aktiv zum Gelingen des Bayerischen Energiekonzeptes "Energie innovativ" bei. Darin wird Energiespar-
Contracting als "…ein wirkungsvolles, haushaltsmittelneutrales Instrument, um ungenutzte Einsparpotenziale im Gebäudebereich schnell und unbürokratisch zu realisieren", bewertet. Ferner werde es "auch von der EU als wichtige Zukunftsmaßnahme für den Klimaschutz nach deutschem Vorbild aufgegriffen".

Aufgrund der hohen Wirtschaftlichkeit der resultierenden Maßnahmen und des noch vorhandenen Potentials werden wir die "Contracting-Initiative Bayern" dauerhaft stärken.

Zur Fortschreibung und weiteren Optimierung der Contracting-Verfahren ist bei der Obersten Baubehörde im Bayerischen Staatministerium des Innern, für Bau und Verkehr eine ständige Arbeitsgruppe eingerichtet, die im Erfahrungsaustausch mit der Deutschen Energie-Agentur steht und detaillierte Leitfäden für Energiespar-Contracting und Energieliefer-Contracting herausgibt. Bestandteile dieser Leitfäden sind u. a. Arbeitshilfen mit Verfahrensdarstellungen, Bearbeitungshinweisen und Musterausschreibungen mit entsprechenden Unterlagen. Diese Arbeitshilfen sollen über den staatlichen Bereich hinaus auch bei Städten, Kommunen und anderen öffentlichen Auftraggebern das Interesse für Contracting-Verfahren wecken und die Abwicklung vereinfachen.

Die Leitfäden sowie nähere Einzelheiten zur Contracting-Initiative Bayern können online unter der Web-Adresse www.cib.bayern.de abgerufen werden.


Joachim Herrmann